Finanz- und Vermögenslage

Finanzierungsgrundsätze

Das übergeordnete finanzpolitische Ziel von Bertelsmann ist die Gewährleistung eines ausgewogenen Verhältnisses von Finanzierungssicherheit, Eigenkapitalrentabilität und Wachstum. Dazu richtet der Konzern seine Finanzierung an den Anforderungen eines Credit Rating der Bonitätsstufe „Baa1/BBB+“ und den damit verbundenen qualitativen und quantitativen Kriterien aus. Rating und Transparenz gegenüber dem Kapitalmarkt leisten einen bedeutenden Beitrag zur finanziellen Sicherheit und Unabhängigkeit des Unternehmens.

Entsprechend der Konzernstruktur erfolgt die Kapitalallokation zentral über die Bertelsmann SE & Co. KGaA, die die Konzerngesellschaften mit Liquidität versorgt und die Vergabe von Garantien und Patronatserklärungen für Konzerngesellschaften steuert. Der Konzern bildet weitgehend eine finanzielle Einheit und optimiert damit die Kapitalbeschaffungs- und Anlagemöglichkeiten.

Die finanzielle Steuerung bei Bertelsmann erfolgt nach quantifizierten Finanzierungszielen, die sich an der wirtschaftlichen Verschuldung und – mit abgeschwächter Bedeutung – an der Kapitalstruktur orientieren. Zu den Finanzierungszielen gehört ein dynamischer Verschuldungsgrad (Leverage Factor), der sich aus dem Verhältnis der wirtschaftlichen Schulden zum Operating EBITDA über einen 12-Monats-Zeitraum ergibt und den Wert von 2,5 nicht überschreiten sollte. Das Operating EBITDA (12 Monate) betrug per 30. Juni 2017 2.556 Mio. €. Die wirtschaftlichen Schulden sind definiert als Nettofinanzschulden abzüglich 50 Prozent des Nominalkapitals der Hybridanleihen in Höhe von 625 Mio. € (31. Dezember 2016: 625 Mio. €), zuzüglich Pensionsrückstellungen in Höhe von 1.762 Mio. € (31. Dezember 2016: 1.999 Mio. €), Genusskapital in Höhe von 413 Mio. € (31. Dezember 2016: 413 Mio. €) und Barwert der Operating Leases in Höhe von 1.432 Mio. € (31. Dezember 2016: 1.501 Mio. €). Die wirtschaftlichen Schulden lagen per 30. Juni 2017 bei 6.291 Mio. € (31. Dezember 2016: 5.913 Mio. €). Bei der Ermittlung des Verschuldungsgrads werden die wirtschaftlichen Schulden und das 12-Monats-Operating-EBITDA modifiziert, um eine der Struktur des Konzerns und seiner verkraftbaren Verschuldung entsprechende finanzielle Steuerung zu ermöglichen. Die wirtschaftlichen Schulden wurden daher rechnerisch um 115 Mio. € (31. Dezember 2016: 199 Mio. €) erhöht, das Operating EBITDA um -55 Mio. € (31. Dezember 2016: -101 Mio. €) vermindert. Zum 30. Juni 2017 ergibt sich somit ein Leverage Factor von 2,6 (31. Dezember 2016: 2,5).

Die Nettofinanzschulden erhöhten sich saisonal bedingt auf 3.309 Mio. € nach 2.625 Mio. € zum 31. Dezember 2016. Die Erhöhung ist unter anderem auf Dividendenzahlungen an Aktionäre und nicht beherrschende Anteilseigner zurückzuführen, die überwiegend im ersten Halbjahr erfolgen.

Finanzierungsaktivitäten

Im Berichtszeitraum wurde die Kapitalausstattung des Konzerns gestärkt. Im Mai 2017 platzierte Bertelsmann eine Benchmark-Anleihe mit vierjähriger Laufzeit und einem Emissionsvolumen von 500 Mio. €. Die in Luxemburg gelistete Anleihe ist mit einem festen Kupon von 0,25 Prozent ausgestattet.

Rating

Bertelsmann wird von Moody’s mit „Baa1“ (Ausblick: stabil) und von S&P mit „BBB+“ (Ausblick: stabil) bewertet. Beide Credit Ratings liegen im Investment-Grade-Bereich und entsprechen dem Zielrating von Bertelsmann. Die Einschätzung zur kurzfristigen Kreditqualität von Bertelsmann wird von Moody’s mit „P-2“ und von S&P mit „A-2“ beurteilt.

Kapitalflussrechnung

Im Berichtszeitraum wurde ein Cashflow aus betrieblicher Tätigkeit in Höhe von 390 Mio. € generiert (H1 2016: 751 Mio. €). Der Rückgang ist vor allem zurückzuführen auf eine Zunahme des Nettoumlaufvermögens. Der Cashflow aus Investitionstätigkeit belief sich auf -563 Mio. € nach -502 Mio. € im Vorjahreszeitraum. Mit 128 Mio. € lag der Cashflow aus Finanzierungstätigkeit unter dem Vorjahreswert von 276 Mio. €. Die liquiden Mittel veränderten sich geringfügig auf 1.305 Mio. € zum 30. Juni 2017 (31. Dezember 2016: 1.373 Mio. €).

Konzern-Kapitalflussrechnung (Kurzfassung)

in Mio. €1. Halbjahr 20171. Halbjahr 2016
Cashflow aus betrieblicher Tätigkeit390751
Cashflow aus Investitionstätigkeit-563-502
Cashflow aus Finanzierungstätigkeit128276
Zahlungswirksame Veränderung der liquiden Mittel-45525
Wechselkursbedingte und sonstige Veränderungen der liquiden Mittel-21-24
Liquide Mittel am 1.1.1.3761.310
Liquide Mittel am 30.6.1.3101.811
Abzüglich liquider Mittel der Veräußerungsgruppen-5
Liquide Mittel am 30.6. (laut Konzernbilanz)1.3051.811

Investitionen

Im ersten Halbjahr 2017 beliefen sich die Investitionen gemäß Kapitalflussrechnung auf 636 Mio. € (H1 2016: 603 Mio. €). Die Investitionen in immaterielle Vermögenswerte betrugen 159 Mio. € (H1 2016: 212 Mio. €) und entfielen insbesondere auf BMG für den Erwerb von Musikkatalogen sowie auf die RTL Group für Investitionen in Filmrechte. Von den Sachanlageinvestitionen in Höhe von 210 Mio. € (H1 2016: 129 Mio. €) entfiel wie im Vorjahreszeitraum ein Großteil auf Arvato. Für Investitionen in Finanzanlagen wurden 112 Mio. € (H1 2016: 134 Mio. €) aufgewandt. Kaufpreiszahlungen für konsolidierte Beteiligungen (abzüglich erworbener liquider Mittel) lagen im Berichtszeitraum bei 155 Mio. € (H1 2016: 128 Mio. €) und entfielen unter anderem auf den Erwerb der BBR Music Group durch BMG.

Bilanz

Zum 30. Juni 2017 betrug die Bilanzsumme 23,4 Mrd. € (31. Dezember 2016: 23,8 Mrd. €). Die Pensionsrückstellungen verringerten sich aufgrund eines erhöhten Rechnungszinsfußes auf 1,8 Mrd. € (31. Dezember 2016: 2,0 Mrd. €). Das Eigenkapital betrug 9,7 Mrd. € nach 9,9 Mrd. € zum 31. Dezember 2016. Daraus ergab sich eine Eigenkapitalquote von 41,6 Prozent (31. Dezember 2016: 41,6 Prozent). Die liquiden Mittel veränderten sich geringfügig zum 30. Juni 2017 auf 1.305 Mio. € nach 1.373 Mio. € zum 31. Dezember 2016.

Mitarbeiter

Zum 30. Juni 2017 beschäftigte Bertelsmann weltweit 118.541 Mitarbeiter.