Wertorientiertes Steuerungssystem

Zur Steuerung des Konzerns verwendet Bertelsmann Umsatz, Operating EBITDA und den Bertelsmann Value Added (BVA) als Steuerungskennzahlen im engeren Sinne, die der unmittelbaren Beurteilung der Geschäftsentwicklung dienen und dementsprechend Grundlage der Prognoseberichterstattung sind. Zur Steuerung werden darüber hinaus auch Steuerungskennzahlen im weiteren Sinne verwendet. Hierunter fallen die EBITDA-Marge als ergänzendes Kriterium zur Beurteilung der operativen Geschäftsentwicklung sowie die Cash Conversion Rate als Maßstab für die operative Finanzmittelfreisetzung. Die Steuerungskennzahlen werden teilweise aus sogenannten Alternativen Leistungskennzahlen ermittelt, die nicht nach den International Financial Reporting Standards (IFRS) definiert sind. Diese sollten nicht isoliert, sondern als vervollständigende Information zur Beurteilung der Geschäftslage von Bertelsmann betrachtet werden.

Der Umsatz als Wachstumsindikator der Geschäfte erhöhte sich im ersten Halbjahr 2017 um 2,1 Prozent auf 8.134 Mio. € (H1 2016: 7.966 Mio. €). Das organische Wachstum lag bei 1,4 Prozent. Das Operating EBITDA ist als das Ergebnis vor Finanzergebnis und Steuern sowie planmäßigen und außerplanmäßigen Abschreibungen festgelegt und um Sondereinflüsse bereinigt. Die Bereinigungen um Sondereinflüsse dienen der Ermittlung eines nachhaltigen, unter normalen wirtschaftlichen Gegebenheiten wiederholbaren operativen Ergebnisses, das nicht durch Sondersachverhalte oder strukturelle Verwerfungen beeinflusst wird. Zu den Sondereinflüssen zählen im Wesentlichen Wertminderungen und Wertaufholungen, Neubewertungen, Restrukturierungsaufwendungen und/oder das Ergebnis aus Beteiligungsverkäufen. Hiermit eignet sich das Operating EBITDA als aussagekräftige Steuerungsgröße. Im Berichtszeitraum belief sich das Operating EBITDA auf 1.099 Mio. € (H1 2016: 1.111 Mio. €).

Der BVA ist die Steuerungskennzahl zur Beurteilung der Ertragskraft des operativen Geschäfts und der Rentabilität des investierten Kapitals. Der BVA misst den über die angemessene Verzinsung des investierten Kapitals hinaus erwirtschafteten Gewinn. Diese Form der Wertorientierung findet sowohl in der strategischen Investitions- und Portfolioplanung als auch in der operativen Geschäftssteuerung ihren Ausdruck und bildet die Grundlage für die Managementvergütung. Der BVA berechnet sich aus der Differenz von Net Operating Profit After Tax (NOPAT) und Kapitalkosten. Ausgangsbasis zur Berechnung des NOPAT ist das Operating EBITDA. Nach Abzug von nicht in den Sondereinflüssen enthaltenen Abschreibungen, Wertminderungen und Wertaufholungen auf immaterielle Vermögenswerte und Sachanlagen in Höhe von 309 Mio. € (H1 2016: 306 Mio. €) ergibt sich das Operating EBIT. Um den für die BVA-Berechnung zugrunde gelegten NOPAT von 529 Mio. € (H1 2016: 539 Mio. €) zu ermitteln, wurde ein pauschalisierter Steuersatz von 33 Prozent berücksichtigt. Die Kapitalkosten entsprechen dem Produkt aus durchschnittlich anteilig investiertem Kapital und Kapitalkostensatz. Das durchschnittlich anteilig investierte Kapital belief sich auf 15.025 Mio. € zum 30. Juni 2017 (H1 2016: 14.117 Mio. €). Der Kapitalkostensatz beträgt einheitlich 8 Prozent nach Steuern, womit sich Kapitalkosten für den halbjährigen Berichtszeitraum in Höhe von 601 Mio. € ergeben (H1 2016: 565 Mio. €). Das investierte Kapital ergibt sich aus den Vermögenspositionen der Bilanz, die dem operativen Betriebszweck dienen, abzüglich operativer Verbindlichkeiten, die dem Unternehmen unverzinslich zur Verfügung stehen. Zusätzlich wird der Barwert der Operating Leases bei der Ermittlung des investierten Kapitals berücksichtigt. Im ersten Halbjahr 2017 sank der BVA auf -72 Mio. € (H1 2016: -26 Mio. €). Ausschlaggebend für die Verminderung war ein weiterer Anstieg des investierten Kapitals angesichts der fortgesetzten Investitionen in Neu- und Digitalgeschäfte.

Das finanzielle Steuerungssystem von Bertelsmann ist definiert durch die internen Finanzierungsziele, die im Abschnitt „Finanz- und Vermögenslage“ dargestellt werden. Diese Grundsätze zur Finanzierung werden bei der Steuerung des Konzerns verfolgt und fallen unter das wertorientierte Steuerungssystem im weiteren Sinne. Die ermittelten Finanzierungs- und Verschuldungskennzahlen zählen ebenfalls zu den Alternativen Leistungskennzahlen.